22.02.2021

Liebes Tagebuch, es ist jetzt genau 22 Uhr 11. Normalerweise sollte heute die Schule wieder losgehen. Sofern dies geschehen ist, dann offenbar nur in einem recht reduziertem Umfang, habe ich doch kaum (oder besser: überhaupt keine!) Schüler auf den Straßen gesehen, geschweige denn, vollbesetzte Busse, oder dergleichen. Vielleicht habe ich da auch irgendetwas nicht mitbekommen. Mein Psychiater Dr. B. sagte zu mir, es sei nicht gut für mein Wohlbefinden, zu viele Nachrichten zu konsumieren, und ich bin mittlerweile der Meinung, dass er recht hat. Ich habe in den letzten 2 Wochen  weder Lokalzeit NRW, noch die Tagesschau gesehen, sogar auf die Tagesthemen habe ich verzichtet, dessen Qualität jedoch so oder so ohne Ulrich Wickert um mindestens 2 Einheiten in den Keller gesackt ist.

Am 08. März muss ich vermutlich wieder arbeiten, sofern der Lockdown nicht verlängert wird. Da ich in einer Werkstatt der Lebenshilfe arbeite (ich bin wegen meines Asperger-Syndroms in Kombination mit schweren Depressionen und Drogenabhängigkeit für den ersten Arbeitsmarkt krankgeschrieben) und man dort auf die Mitarbeiter (die schließlich alle in irgendeiner Weise gehandicapt sind) entsprechend Rücksicht nimmt, steht es uns frei, während des Lockdowns nicht auf der Arbeit antreten zu müssen, sofern wir Angst haben, uns irgendwo anzustecken. Ergo bin ich zu Hause, da ich Bedenken habe, mit vielen Leuten in einem Raum zu arbeiten, von wegen COVID-19, Blah und Blubb…

Also habe ich mich heute, nachdem ich mein Schreibpensum für diesen Tag erfüllt habe, ein wenig in der Gegend rumgetrieben. Und zwar allein, wie so oft. Ob ich mich einsam fühle? Nein! Ich zähle nicht wirklich zu der kontaktfreudigen Sorte Mensch, was durch mehrere Umstände in den letzten knapp 2 Jahren noch begünstigt wurde. Doch davon später möglicherweise mehr. Aber: Es geht mir dennoch ganz gut, ich bin einigermaßen glücklich! Vielleicht nicht so glücklich, dass ich gleich jauchzend an die Decke springe, aber für meine Verhältnisse auf jeden Fall glücklich genug! In den Abendstunden stellte ich fest, dass mein guter Freund Alex mir eine Mail geschrieben hat, also setzte ich mich hin, um ihm eine Antwort in Form eine Sprachmail aufzunehmen. Mails zu beantworten, in dem ich mit Audacity meine Stimme aufzeichne und die Aufnahme in Form einer *.ogg-Datei verschicke, fällt mir oft leichter, als schriftlich zu antworten. Außerdem kann man beim Aufnehmen eine Menge zusätzliche Faxen machen, was meine Laune ein wenig hebt. Nachdem ich Alex meine Datei geschickt habe, schaute ich den Film Zurück in die Zukunft über Netflix, der mich sehr an alte Zeiten erinnert. Die ganze Analogtechnik in den 80er-SciFi-Filmen mutet heute irgendwie witzig an. Hahaha. Außerdem werde ich gleich vermutlich die Novelle Das Marmorbild von Joseph von Eichendorff noch einmal lesen, quasi als Betthupferl, weil diese zu den schönsten literarischen Erzeugnissen des 19. Jahrhunderts zählt.

Liebe Grüße und gute Nacht,
Marcus Borchel, auch bekannt als Macke1979

Ein Gedanke zu „22.02.2021

  1. Herr Kömmlich

    Ja, dieser Lockdown macht wohl jedem jetzt so langsam zu schaffen. Der erste war schon heftig. Hoffen wir einfach, dass dieser Impfstoff den notwendigen Abstand zu diesem Virus bringt. Sonst werden wir vermutlich selbst in 4 Jahren noch so leben wie jetzt. …

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