Marcus Borchel – Der Orden des Feuers

Klappentext: Der 16-jährige Michael Dahlke lebt nach dem Tod seines Vaters in einem Heim in einer Kleinstadt. Dort verliebt er sich in die mysteriöse Sara.
Das attraktive Mädchen entpuppt sich als durchgeknallte fanatische Teufelsanbeterin.
Als Sara zusammen mit Michael und sechs anderen Jugendlichen den Orden des Feuers wieder ins Leben ruft und den Plan fasst, in der Walpurgisnacht dem Satan eine Jungfrau zu opfern, nimmt das Unglück seinen Lauf …


Gleich vorweg: Ich bin mir definitiv der Tatsache bewusst, dass es sich normalerweise nicht gehört, eine Rezension zu einem Buch zu schreiben, dessen Autor man selbst ist. Dennoch fühle ich mich dazu genötigt, genau dies an dieser Stelle zu tun. Vor Kurzem habe ich meinen Debütroman Der Orden des Feuers erneut gelesen, teils aus Langeweile, teils weil ich wissen wollte, wie sich der Text für mich heute liest, schließlich ist es (fast) 10 Jahre her, dass ich das Teil veröffentlicht habe (das Buch erschien am 01. September 2011). Und ich muss sagen… Ich habe schon lange nicht mehr so einen Schund gelesen… Ich bin entsetzt, dass dieses „Werk“ tatsächlich von mir stammt!

Fangen wir mit den Charakteren an. Diese sind nämlich so gut wie nicht vorhanden. Eine detailierte Ausarbeitung ist von mir selbst beim Protagonisten Michael Dahlke versäumt worden. Im Prolog steht beispielsweise geschrieben, dass das Fotografieren zu seinen größten Hobbys gehört. Nichtsdestotrotz geschieht im weiteren Verlaufe des Romans in der Hinsicht gar nichts mehr. Das Thema wird an keiner einzigen Stelle auch nur kurz erwähnt. Von der weiblichen Hauptfigur, Sara Becker, erfahren wir, dass sie sich brennend für schwarze Magie und Okkultismus interessiert, wovon natürlich viel erzählt wird, da es sich nun einmal um das Hauptthema dieses Horror-Romans handelt. Aber, das ist es dann auch schon. Wirklich sehr dünn geraten, das Ganze! Agnes Winter, die andere weibliche Hauptfigur, die später in dem schwarzmagischen Zirkel das Ruder an sich reißt, ist fast eine exakte Kopie von Sara, nur offenbar nicht ganz so gebildet und eine Spur böser. Die anderen Personen, die in der Geschichte vorkommen, sind nichts weiter als Statisten. Leblose Marionetten, von denen nicht viel mehr als Vorname und Nachname bekannt sind und die ansonsten kaum etwas zum Geschehen beitragen. Am Schlimmsten finde ich allerdings die unfreiwillige Komik, die an mehreren Stellen deutlich wird, beispielsweise, wenn Michael nach seinem ersten Mal mit Sara, auf ihre Frage hin, was denn los sei, antwortet: „Ich habe Angst, dass es zu schnell gegangen ist!“ Und damit meinte er nicht den fleischlichen Akt, sondern das Tempo, mit der sich die Beziehung entwickelt. In diesem Kontext irgendwie unglücklich ausgedrückt und peinlich zugleich! Ich weiß nicht mehr, wie lange es gedauert hat, bis ich mich von dem Lachanfall erholt hatte.

Ein paar grandiose Szenen (zum Beispiel die von den Mädels hervorgerufene Zombie-Apokalypse, in dessen Verlauf der Hauptkommissar durch ein Missgeschick splitternackt durch die Stadt läuft) sind in diesem Roman gleichwohl vorhanden, doch diese können den Karren leider auch nicht mehr aus dem Dreck ziehen, was vor allem an den blassen Charakteren, der unfreiwilligen Komik und ein paar krassen Logiklöchern liegt. Ein paar derbe Splatterszenen sowie manche extrem kranke Scheußlichkeiten gibt es zuhauf, die Erotik kommt ebenfalls nicht zu kurz, vermutlich würden jedoch die meisten, die so etwas mögen, mit diesem Buch trotzdem nicht wirklich glücklich. In diesem Genre gibt es schon zu viele ähnliche Bücher, die einfach um Längen besser sind!

Zu erwähnen sei hier noch, dass ich damals beabsichtigte einen Roman aus der Sparte Okkult-Horror mit Lokalkolorit zu schreiben, weshalb meine (damalige) Heimatstadt als Handlungsschauplatz herhalten musste. Trotz der Tatsache, dass mir mein erster Roman derart misslungen ist, werde ich ein paar Figuren daraus in meinem neuen Roman (der nächstes Jahr erscheint und eher in die Sparte surrealistische Hochliteratur verfrachtet werden kann, also etwas gaaaanz anderes) auftreten lassen. Vielleicht, weil ich diesen Charas gegenüber ein schlechtes Gewissen habe und etwas wiedergutmachen will? Möglicherweise. Heute hätte ich Der Orden des Feuers in dieser Form mit ziemlicher Sicherheit SO nicht veröffentlicht! O_o

Fazit: Ein entsetzlicher Rohrkrepierer, der leider auf meinen Mist gewachsen ist. Ich entschuldige mich hiermit bei jedem, der sich dieses Buch gekauft hat und (vermutlich) derbe enttäuscht worden ist! Peinlich!

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